Angesichts hoher Energiekosten würden Verbraucher ohne Solaranlagen gerne Solarstrom-Überschüsse von Nachbarn kaufen. Solarstromüberschüsse werden zum Teil für 4 Cents an Netzbetreiber verkauft. Oder sogar abgeregelt. Sollte der Energiemarkt nicht einfach dereguliert werden? Jeder kauft dort, wo es am günstigsten ist. Die gute Nachricht vorweg. Technisch wäre dies möglich. Der Gesetzgeber erlaubt diese Art des Stromkaufs seit 2021 in sog. „Quartieren“. Vor dem Hintergrund verfügbarer günstiger Solarenergie und rasant gestiegener Energiekosten, könnte man vorschlagen, den Strommarkt vollständig zu deregulieren. Jeder optimiert sich im Alleingang. "Für Regulierung sprechen gewichtige Gründe." Um zu verstehen, weshalb es Verbrauchern nicht gestattet ist, ihren Solarstrom bundesweit für 4 Cents zu verkaufen, ist es erforderlich, sich in unser sehr komplexes und verschlungenes Energieversorgungssystem hineinzudenken. Seit Kohle, Öl, Gas und Atomkraft zur zentralen Energieversorgung (Strom, Wärme, Kälte und Mobilität) genutzt werden, sind weltumspannende Wertschöpfungsketten entstanden. Moderne Gesellschaften sind auf optimierten fossilen und nuklearen Energiesystemen aufgebaut:
Zentrale Erzeugung und Verteilung fossiler und nuklearer Energie hat über ein Jahrhundert die Versorgung von Verbrauchern zu gleichen und möglichst günstigen Bedingungen gewährleistet. Unser zentral organisiertes fossil und nuklear basiertes Energiesystem ist schützenswert, bis ein wettbewerbsfähiges regeneratives Energiesystem geschaffen ist. "Wie kann der Wechsel zur Nutzung regenerativer Energieträger schnellstmöglich gelingen?" Nicht technische, sondern politische Probleme bremsen die Energiewende. Die zentrale Frage lautet: Wie sehen die Entscheidungsprozesse aus, die zur Festlegung neuer Spielregeln führen? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft der Blick auf die Entwicklung der "Kutsche ohne Pferd" namens Automobil. Wie sieht ein Straßennetz aus, auf dem „Kutschen ohne Pferde“ fahren? Selbst der Erfinder des Otto-Motors konnte sich weder Ferraris noch vierspurige Autobahnen vorstellen. Ein Wettbewerb von „Pferd, Benzin-, und Dieselmotor“ musste vorausgehen, um die Art der Autos, Lkws und des Verkehrssystems zu bestimmen, das wir heute kennen. Wir haben uns weltweit noch nicht darauf geeinigt, auf welcher Straßenseite wir fahren. Während dessen diskutieren wir, wie Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren oder Brennstoffzellen ersetzt werden können. Auf vergleichbare Weise wird die Energiewende gelingen, wenn Pioniere die Möglichkeit erhalten, frei von Einflüssen der "Pferde-Lobby" ihr gutes Recht einfordern, eigene Pferde ins Rennen zu schicken. Durch Trennung von Stromnetzbetreibern und Stromerzeugern hat der Gesetzgeber bereits dafür gesorgt, dass "Pferdebesitzer" nicht weiterhin über den Ausbau der "Straßennetze" entscheiden. "Zauberformel für zügigen Wandel ist damals wie heute Wettbewerb." Dezentrale erneuerbare Energieversorgungssysteme sind mittlerweile technisch ausgereift und werden vor allem im Bereich der Solarenergie in weiten Teilen der Gesellschaft genutzt. Im Wettbewerb wird sich die Energiewende stetig, solide, zügig und erfolgreich vollziehen. Dabei werden wir sicherlich auch über den eigenen Tellerrand blicken müssen, um zu sehen, welche effizienten Systeme in anderen Ländern genutzt werden. Etwa Ethanol in Brasilien. Dort fahren Verbrennungsmotoren nachhaltig mit pflanzlichen Energieträgern. Und dies klimafreundlicher als Elektrofahrzeuge. Alle Wettbewerbsvorschläge müssen auf den Tisch und kritisch geprüft werden. Im Wettstreit wird sich entscheiden, welche Methoden der Solidargemeinschaft, dem Einzelnen und dem Klima am effizientesten dienen. "Zu guter Letzt zum Wettbewerbsbeitrag von Traffle." Das Pferd, das Traffle ins Rennen schickt, heißt „Ampel-Energie“. Wir bündeln gemeinsam mit Bürger-Innen vorhandene energetische Wertschöpfungsketten, kennzeichnen sie farblich nach Herkunft und überlassen Bürger-Innen die Entscheidung, welche Versorger sie wählen, wie im Supermarkt. Traffle regelt Energieflüsse in öffentlichen und privaten Versorgungsnetzen mit Hilfe "digitaler Ampeln" zunächst nach Gesichtspunkten der Energiebilanz und letzendlich nach Kundenwunsch. "Nicht nur wir bei Traffle meinen, zukünftige Energieversorgungssysteme laufen „vorwärts“, „rückwärts“ und "seitwärts". Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, die Mehrheit der Fachwelt steht auf dem Standpunkt, zentrale Energiesysteme sollten sich auf das Puffern von Fehlmengen beschränken, die Verbraucher nicht selbst lokal und regenerativ erzeugen können. Diese neue Rolle anzunehmen, fällt etablierten zentral organisierten Energieversorgern schwer. Denn sie werden zukünftig nur dann ihre Anlagen unter Vollast nutzen, wenn Verbraucher es nicht schaffen, sich selbst mit Energie zu versorgen. Das ist die bittere Pille, die wir als Energieunternehmer schlucken müssen. "Traffle wirbt für stetige Anpassung gesetzlicher Regeln entlang der Linien, die in unfassbarer Geschwindigkeit im Wettbewerb der Systeme sichtbar werden." Nur durch Wettbewerb wird die Energiewende schneller gelingen, als die "Letzte Generation" befürchtet.
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Ullrich Afini-Awani
Geschäftsführer Globe Commodities International GmbH (GCI). Traffle ist eine Geschäftseinheit von GCI. |